Die Preisfrage

Ein Thema, das mich seit Gründung begleitet, ist die Preisfrage.

 

Googelt man sich durch kommt man schnell zu folgender Faustformel:

 

Länge+HöhexFaktor X. Faktor X ist der Wert des Künstlers zu einem bestimmten Zeitpunkt. Absolventen einer Kunst-Uni werden in der Regel bei Faktor 5 angesetzt. Beispiel: Format 100x100cm x Faktor 5 = 1000€ Preis.

Allerdings: Die meisten Galerien, die Künstler vertreten und Bilder auf Kommissionsbasis promoten nehmen aktuell 50% Verkaufsprovision. Ganz schön happig. Dafür leisten Sie viel Netzwerkarbeit, organisieren Ausstellungen, und übernehmen den Kundenservice, wie auch die Logistik. Auch das will bezahlt werden.

 

Diese Faktorrechnung ist an sich erstmal ein Richtwert.

 

Ich persönlich denke mir folgendes:

 

Wenn ich ein Bild für 200€ verkaufe, muss ich ca. 20 Bilder im Monat verkaufen, um davon leben zu können. Bei 4000€ Gewinn warten noch Materialkosten, Versand, Gebühren bei Amazon/Dawanda/Etsy, Verpackung und laufende Kosten wie Domain, Bankkonto, usw. auf mich.

 

20 Bilder im Monat zu malen, und dabei ein Gefühl von Authenzität zu vermitteln, stelle ich mir wahrlich schwierig vor. Sicherlich habe ich in der Regel einen guten Output. Aber 20 Bilder sind für mich nicht schaffbar.

 

Ich berechne, unabhängig von der Faktorformel, wie folgt:

 

Materialkosten

Versand

Gebühren

Verpackung

Laufende Kosten

Stundenlohn

 

Daraus resultiert der Preis.

 

Darüber hinaus hat für mich das Kunstwerk an sich einen immateriellen Wert, der (natürlich) nicht messbar ist.

 

Dass der Kunstmarkt Künstler hypen kann und Preise erzielt werden, die jenseits des Portemonnaies vom Otto-Normal-Verbraucher liegen, hat in meinen Augen ebenfalls eine absolute Daseinsberechtigung. Wenn ein Künstler es schafft, wie z.B. Reinhard Mey, mit Hilfe seiner Lieder Menschen im Innersten zu berühren und zum Nachdenken anzuregen, dann hat er etwas Großes, etwas ganz tolles geschafft.

 

Reinhard kann im Gegensatz zu mir seine CD`s immer wieder verkaufen (wenngleich ein originaler Konzertbesuch jedem zu empfehlen sei), so ein Bild verkauft man nur einmal. Und dann ist es weg. Klar, man kann es (auch künstlerisch hochwertig) drucken lassen, und das wiederum kann man dann wieder tolle Einnahmen generieren, aber das physische Original, das ist verkauft.

 

Demnach finde ich es absolut ok, wenn ein Dali, ein Warhol, oder aktuell ein Awe, etwas malt, das die Menschen im Herzen trifft, und Ihre Seelen aufrüttelt, viel Geld für ein "einziges" Bild erhält.

 

Ich lasse das mal gerade so stehen.

 

Sicherlich wird mir noch einiges dazu einfallen.

 

Und dann ergänze ich einfach :-)

 

Was meint Ihr zur "Preisfrage"?

 

Herzlichst

Julia